Vorteil für Armin Laschet

Das wundert mich, dass sich jemand wundert, dass ganz plötzlich Armin Laschet und Jens Spahn im selben Segelboot sitzen. Das war doch klar, dass der Schwächste unter den drei Bewerbern seine Chance im Vorfeld sucht! Warum verlieren, wenn man auch gewinnen kann? Genauer gesagt der Zweitschwächste. Denn Norbert Röttgen hat sich beworben, weil er sonst gar keine Chancen mehr auf irgendetwas gehabt hätte.

Wenn Laschet, Friedrich Merz und Spahn sich geeinigt hätten, dann wäre im neuen Kabinett für Röttgen auf keinen Fall was geblieben, denn die drei hätten ja zuerst ihre ganz Entourage auch noch bedienen müssen. Und einen Koalitionspartner noch dazu! So viele Posten hat keine Regierung, dass dann für den kleinen Röttgen auch noch was geblieben wäre.

Und dann wären die ganzen Fernsehauftritte des außenpolitischen Experten Röttgen umsonst gewesen. Also einfach melden. Keine Chance – also nutze sie, das hat er sich gedacht und eine Woche Vorsprung herausgelaufen. Immerhin. Wer jetzt denkt, dass das wieder so knapp wird wie beim letzten Rennen um den CDU-Vorsitz vor zwei Jahren, könnte sich täuschen. Denn Merz punktet zwar bei schönem Wetter und bei geladenen Gästen. Aber der andere ist doch stärker.

Nicht nur erfolgreicher Ministerpräsident, und das auch bei Regen, sondern auch in der Partei aktiv ohne längere Pause. Im Gespräch fähig, zuzuhören, man fühlt es durch den Fernseher hindurch. Differenziert in der Sache, fein und nicht feindselig. Polarisiert nicht künstlich, und das will man ja in diesen stürmischen Zeiten. Fähig zur Partnerschaft, das könnte wichtig werden in der Zukunft. Und das nach rückwärts Gewandte, was ihm der andere andrehen will, gilt das nicht eher für den selbst, wo er doch so viele alte Rechnungen offen hat?

Und wenn Angela Merkel bei den Bürgern halt immer noch so beliebt ist, wie die Umfragen sagen, ein radikaler Bruch? Warum nur? Die, die da wählen in zwei Monaten, werden das alles bedenken. Mein Tipp: Deutlich für Laschet, wenn nicht noch Ungewöhnliches passiert.

Straubinger Tagblatt vom 28. Februar 2020 

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