Seit Jahrzehnten ist das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ ein Sturmgeschütz der Demokratie. Unzählige Affären und Skandale hat es aufgedeckt, und es spielt diese Rolle bis in unsere Tage. Es ist äußerst dankenswert, dass „Der Spiegel“ in dieser Woche endlich, belegt mit Zahlen, Daten, Fakten und Quellen, aufdeckt, wie schlampig Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) seinen Verteidigungshaushalt aufstellt. Ein riesiger Skandal!
„Verplemperte Milliarden“ seien es, die nicht einer sinnvollen Wehrfähigkeit Deutschlands dienten, sondern einem „Rüstungsrausch“, der der Rüstungsindustrie das Geld nur so in die Kassen spüle. Offensichtlich gibt es im Verteidigungsministerium kein durchdachtes und ausgearbeitetes Konzept, wie man sich im Notfall verteidigen soll, sondern gekauft wird am besten alles, was von der Industrie angeboten wird, und das auch noch zu überhöhten Preisen. „Mit vollen Händen“ werde ausgegeben – ohne sich vorher Gedanken gemacht zu haben, was an Investitionen sinnvoll sein könnte! Aktionismus statt Planung. Und die Rüstungsindustrie hält dankbar die Hände auf.
Dass das sowohl in der Bundesregierung als auch im eigenen Ministerium mittlerweile mit großem Argwohn beobachtet wird, lässt aufhorchen. Was von vielen längst vermutet wurde, dass nämlich hinter der breitbeinig-hemdsärmeligen Art von Boris Pistorius recht wenig Sachverstand zu finden ist, wird auf den vier Seiten des „Spiegel“-Textes allzu deutlich.
Auf der anderen Seite aber hat diese Bundesregierung mit Friedrich Merz (CDU) an der Spitze im Kanzleramt selbst niemals klug und abwägend agiert. Von Bundeskanzler Friedrich Merz geht doch selber in Wort und Tat die Initiative zu bedenkenloser Aufrüstung aus. Was in der Autoindustrie an Börsenwert und Arbeitsplätzen verloren geht, soll in der deutschen Rüstungsindustrie wenigstens zum Teil ausgeglichen werden, das ist das Signal, das von der Regierung Merz ausgeht. Militär geht heute vor Politik, das ist die Devise dieser Regierung! Dass auf diese Art und Weise von Deutschland aus bedenkenlos die weltweite Aufrüstungsspirale bedient wird, spielt da keine Rolle! Mit einer sinnvollen und notwendigen Wehrfähigkeit hat solches Handeln nichts mehr zu tun!
Und ein nachhaltiger politischer Ansatz, Frieden zu halten oder zu schaffen, fehlt bei dieser Regierung sowieso ganz. Papst Franziskus hat in seiner Autobiografie „Hoffe“ aus gutem Grund den russischen Schriftsteller Anton Tschechow zitiert, der meinte, dass jede Pistole, die irgendwo produziert wurde, dann auch irgendwann irgendwo abgefeuert werde.
Mit dieser Bundesregierung und an der Spitze des Verteidigungsministeriums Boris Pistorius hat sich dieses Deutschland auf ein überstarkes und maßloses Wettrüsten eingelassen, das am Ende nicht mehr, sondern weniger Sicherheit für das Land bringt. Von unserer massiven Aufrüstung und der dahinterliegenden Rhetorik geht längst selber ein aggressives Zeichen in die Welt hinaus.
Und es kommt hinzu: Diese Hunderte von Milliarden (!), die jetzt zu einem guten Teil sinnlos ohne ein ausgearbeitetes und überdachtes Konzept für Landesverteidigung an die Rüstungsindustrie ausgegeben werden, die fehlen in den Krankenhäusern dieses Landes, in den Schulen und Universitäten, in den Städten und Dörfern, die die ihnen gestellten Aufgaben kaum mehr schultern können. Seltsam ist am Ende auch, dass die Partei des Ministers, die SPD, nicht merkt, dass die Beliebtheitswerte von Pistorius, die seinem selbstbewussten Auftreten geschuldet sind, überhaupt nicht auf die Beliebtheit der Partei einzahlen! Denn wer die SPD wählen möchte, hat doch die erfolgreiche Entspannungspolitik von Willy Brandt im Kopf und nicht unbegrenzte Aufrüstung. Den klassischen SPD-Wähler verliert die Partei mit Boris Pistorius an der Spitze der Beliebtheitsskala.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat vor wenigen Tagen gesagt, dass er die russischen Soldaten „zu Dünger“ machen wolle. Erkennbar wird so: Wer sich primär auf die Logik des Krieges einlässt, aus dem strahlt am Ende selber die Fratze des Bösen und der Unmenschlichkeit.
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„Kaufrausch“ bei Pistorius
Ein Nachrichtenmagazin berichtet von zunehmender interner Kritik am Verteidigungsminister. Beim Ausgeben gehe Quantität vor Qualität, heißt es.
Unter dem Titel „Im Kaufrausch“ berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in dieser Woche von zunehmender Kritik an Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Kritisiert wird er sowohl innerhalb der Bundesregierung als auch im eigenen Ministerium für eine schlampige, oberflächliche Arbeitsweise, die viel Kosten, aber wenig effiziente Lösungen produziere.
Der „Spiegel“: „In der Koalition ist der Vorwurf zu hören, dass der Minister gern mit großen Ankündigungen Schlagzeilen produziere, dann aber nicht liefere.“ Im eigenen Haus „sorge der Führungsstil für Unmut: Im Haus regiert ein kleiner Kreis engster Vertrauter, die das Ohr des Ministers haben. Einige Abteilungsleiter haben das Gefühl, ihre Vorlagen erreichten die Leitung gar nicht mehr.“
Um Pistorius besser in eine Kabinettsdisziplin einzubinden, habe die Regierung seit Mai ein „regierungsinternes Rüstungsgremium auf Ebene der Staatssekretäre“ eingerichtet. Dort seien auch die Staatssekretäre aus dem Kanzleramt und den Finanz- und Wirtschaftsministerien vertreten.
Belohnt werde, wer „möglichst teuer“ einkaufe
Der „Spiegel“ berechnet in diesem Bericht, dass sich das Rüstungsvolumen innerhalb von zehn Jahren vervierfachen werde, bereits in diesem Jahr würden 108 Milliarden Euro in die Verteidigung fließen. Innerhalb der Rüstungsindustrie habe sich ein Wettkampf zwischen neuen Firmen und alteingesessenen Rüstungsbetrieben entwickelt: „In der Rüstungsindustrie sorgen die Wunschlisten der Militärs für Goldgräberstimmung. Neue Anbieter drängen auf den Markt. Start-ups wie Helsing, Quantum Systems, Arx Robotics, Auterion oder Tytan Technologies sammeln Risikokapital teilweise in Milliardenhöhe ein und fordern die alteingesessenen Waffenschmieden mit KI-getriebenen Drohnen heraus. Die Platzhirsche halten dagegen. Die sechs größten deutschen Rüstungskonzerne Airbus Defence and Space, Rheinmetall, KNDS, Hensoldt, Diehl und TKMS haben den Umsatz durchschnittlich um 17 Prozent auf insgesamt 35 Milliarden Euro gesteigert.“
Entscheidend sei, dass das für die Verteidigung aufgelegte Sondervermögen zügig ausgegeben werden müsse, sodass eine differenzierte Zukunftsplanung gar nicht möglich sei. Der „Spiegel“ zitiert die Ökonomin Philippa Sigl-Glöckner von der Denkfabrik Dezernat Zukunft, die meine, dass vor dem Hintergrund einer eingeforderten Erhöhung des Wehretats heute belohnt werde, wer „bei Rüstungskonzernen möglichst teuer“ einkaufe. Überteuerte Beschaffung sei vor dem Hintergrund von eingefordertem gesteigerten Wehretat in solcher Logik „ein Vorteil: Das Geld müsse raus und das möglichst schnell“, fasst der „Spiegel“ das zusammen.
„Quantität bedeutet nicht zwingend mehr Qualität“, resümiert das Nachrichtenmagazin. Je „länger der Rüstungsrausch anhält“, desto mehr stellten sich Fragen. Dass sich georderte Dieseltanks auf einmal von 141.000 Euro auf 291.000 Euro verdoppelt hätten, das sei allerdings ein „besonders krasses Beispiel von Preistreiberei“.
Straubinger Tagblatt vom 31. August 2026