„Erklären Sie mal einem Wahnsinnigen, dass er wahnsinnig ist!“ Mit diesen Worten beschrieb der bekannte Münchner Psychiater Dr. Werner Huth in seinen Vorlesungen an der Hochschule für Philosophie in München schon vor Jahren das Problem, mit einem Wahnsinnigen ins Gespräch zu kommen. In seinem Buch „Glaube, Ideologie, Wahnsinn“ beschreibt der Psychiater Werner Huth zudem den Unterschied zwischen einem fundierten Glauben und dem Wahnsinn.Der Glaubende sieht zwar auch eine Welt hinter der Welt, allerdings eine spirituell erfahrbare Welt, und die sei eben nicht trügerisch, sodass sich „Glaubensbrüder“ auf der Welt über ihre Glaubenserfahrungen miteinander verständigen wollten und könnten; der Wahnsinnige dagegen mache eine Erfahrung nur für sich selbst, er bleibe mit seinem Wahn alleine, „Wahnbrüder“ gebe es genau deshalb eben nicht.
Dass sowohl Donald Trump als auch Wladimir Putin vom Wahn geküsst wurden, darüber wird man kaum streiten. Wladimir Putin bekommt von den Fachleuten die Diagnose einer „mörderischen Psychose“. In einem von Feindseligkeit bestimmten Welterleben wird er zum rücksichtslosen und gefühllosen Mörder. Bei Donald Trump steht die Diagnose in jedem zweiten Kommentar der Tageszeitungen. Ein Narzisst sei Trump, wie er im Lehrbuch stehe.
Das Lustige: In den Lehrbüchern gibt es gar keine so ganz genaue Definition des Narzissmus. Vom primären Narzissmus, also einer gesunden Selbstliebe, über den sekundären Narzissmus, der nach Schmerzerfahrungen durchaus notwendig sein kann, bis hin zum pathologischen Narzissmus: Die Grenzen sind oft nicht klar erkenn- oder definierbar.
Eines aber ist in der Wissenschaft klar: Dort, wo der Narzissmus einer Person schwer pathologisch geworden ist, wird er von den Fachleuten ebenfalls zum Formenkreis der Psychose gezählt. Das heißt, dass für einen Menschen, der daran erkrankt ist, die Grenze zwischen realer Welterfahrung und fantasiertem Weltbezug genauso irreal wird wie die Grenze zwischen einer realistischen Einschätzung des eigenen Selbst und eines irrealen Selbstverhältnisses. Das trifft bei Donald Trump partiell wohl schon zu.
Und der Dritte im Bunde? Wolodymyr Selenskyj? Sigmund Freud hat, als er den ganzen Formenkreis der Gemütserkrankungen vor über 100 Jahren erkundet hat, von den Psychosen die Neurosen abgegrenzt, vor allem die hysterischen Erkrankungen. Für Werner Huth, der in diesem Frühjahr hochbetagt und auch hoch angesehen verstarb, war der Kampf zwischen Putin und Selenskyj immer der Kampf zwischen einem Schizoiden, der psychotisch erkrankt sei, also Putin, und einem Hysteriker, als den er Selenskyj erlebte.„In der Rolle seines Lebens“ sei der Schauspieler, der im Festhalten an Maximalforderungen aus einer unterlegenen Position heraus seinen Wunsch nach dem eigenen politischen Überleben rücksichtslos ausagiere, ganz gleich wie viele Menschen dafür sterben müssten. Ein Urteil, das von zahlreichen anderen Psychiatern genauso geteilt wird: Das wahre Wesen von Selenskyj sei beileibe kein gutes!
Allerdings: In den Medien hierzulande und auch bei zahlreichen Politikern wurde der ungebrochene Heroismus des ukrainischen Staatspräsidenten dankbar aufgenommen, passte er doch so perfekt zum eigenen Wunsch, moralisch so ganz sauber auf der guten Seite zu stehen und also gut zu sein – und auch die eigenen Fantasien von einer idealisierten Welt, die streng zwischen Gut und Böse zu unterscheiden vermag, nicht korrigieren zu müssen.
Der Selbststilisierung Selenskyjs zum Helden korrespondierte auf ihrer Seite die Idealisierung der angegriffenen Ukraine und ihres Präsidenten, der vor allem mit immer mehr Waffen unbedingt zu unterstützen sei. Dass man so immer tiefer in die Endlosschleife eines mörderischen Krieges geriet, wo ein Ende überhaupt nicht mehr absehbar war, war für diese Biedermänner – und auch Biederfrauen, die sich so gerne in den Fernsehstudios den Talk-Shows filmen lassen, nachrangig.
Wie auch immer – das Narrativ, dass in der Ukraine die Freiheit Europas verteidigt werde, ist nur ein Teil der Wahrheit. Der Kulturwissenschaftler Professor Jürgen Wertheimer hat immer wieder darauf hingewiesen, dass es ein grober Fehler sei, an der Schnittstelle Europas im Osten die Ukraine so ganz einfach Europa zuzuordnen. Offensichtlich führen unsere moralischen Positionen und unsere historischen Vereinfachungen nicht zum gewünschten Ziel.
Mit Donald Trumps Versuch, den immer noch verschlungenen gordischen Kriegsknoten zu lösen, ist endlich Bewegung in eine immer noch schlimmere Situation gekommen. Der Weg freilich ist weit! Und es gibt auch ganz viele Fragezeichen. Ob der amerikanische Präsident dabei dem geltungssüchtigen Kollegen aus Moskau einen roten, gelben oder auch blauen Teppich auslegt, ist allerdings gleichgültig.
Dass er das Tempo eines möglichen Friedensschlusses überschätzt, mag sein; aber irgendwo und irgendwann muss man beginnen. Dass er die europäischen Regierungschefs so wertschätzend in Washington empfing, war ein großer und überraschender Schritt nach vorne. Dass sich seine Friedensinitiative auch dem Wunsch, mit dem Nobelpreis geehrt zu werden, verdankt, ist sicher richtig, aber ebenfalls gleichgültig.
Das Argument, dass der Krieg doch ganz einfach enden würde, wenn Putin sich zurückziehen würde und die Ukraine also räumen, kommt zwar aus dem moralisch richtigen, aber auch luftleeren Raum. Wer die Augen vor dem verschließt, was realistisch in absehbarer Zeit geschehen kann, der soll weiter so reden und sich an seiner eigenen moralischen Lauterkeit erfreuen.
Noch liegen viele Fragen auf dem Tisch, die mühsam zu klären sind. Aber dass die westliche Welt zurückfindet zu einer gemeinsamen Sprache und Haltung, die sich um Lösungen jenseits des Schlachtfelds bemüht, ist für unsere eigene Kultur ein Hoffnungsschimmer.
Eines aber ist seltsam: Der bekennende Christ Joe Biden lieferte ausschließlich Waffen an die Ukraine, ohne sich für einen Frieden einsetzen zu wollen. Allerdings war er wohl schon während seiner Amtszeit schwer an Demenz erkrankt.
Der Narzisst und Materialist Donald Trump kämpft für den Frieden in der Region. Fehlt nur noch, dass er sich auch den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vorknöpft – dann wäre er sogar richtig glaubwürdig!
Straubinger Tagblatt vom 22. August 2025