Kritik: Markus Lanz – Neuer Tiefpunkt eines Fernseh-Formats

Eine sehr bekannte Politikwissenschaftlerin hat mir vor Monaten schon erzählt, dass sie sich weigere, als Gast bei Markus Lanz im ZDF aufzutreten. Denn all das sei auf Krawall gebürstet, es ginge nicht um einen echten Informationswert, und manchmal merke man zudem erst in der Sendung, dass es die Absicht sei, exakt einen eingeladenen Gast zu desavouieren.
Überhaupt ist es das System der Sendung „Markus Lanz“, für bestimmte Denkrichtungen symbolbeladene Gäste einzuladen, die dann die Rolle spielen sollen, die der Moderator und seine Redaktion ihnen zugewiesen haben. All das ist ja bekannt; allerdings hat das Format „Markus Lanz“ in dieser Woche am Mittwoch spätabends einen neuen Tiefpunkt erreicht. Eingeladen war der AfD-Abgeordnete Rüdiger Lucassen, der rechtsnationale Journalist Felix Serrao, der Militärhistoriker Sönke Neitzel und die unvermeidbare FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Bei Strack-Zimmermann ist interessant, dass sie im Europaparlament schon nach recht kurzer Zeit durch die Bank bei allen Parteien unbeliebt ist, weil es ihr nur, so wird gesagt, um die mediale Selbstdarstellung ginge. Am Mittwoch erhielt sie die Einladung zu Lanz offensichtlich erst am frühen Morgen – so sagte sie also eine Veranstaltung vor 200 (!) geladenen Gästen in München sofort ab, weil sie halt lieber im Fernsehen ist! Aber ganz entscheidend ist doch noch etwas Anderes: wenn vier solche Gäste miteinander im Raum sind, was soll da für ein Gespräch entstehen?
Was für ein Gespräch soll hier entstehen?
Die dogmatisch-militaristischen Positionen von Sönke Neitzel und Strack-Zimmermann sind bekannt, der AfD-Politiker gehört sichtbar zum Gruselkabinett deutscher Politik – und der Journalist ist eher eine Schande für die Zunft eines aufrechten und um Erkenntnis und Objektivität bemühten Journalismus. Man hatte beim Zuschauen fast den Eindruck, dass man sich eher im Aufenthaltsraum einer psychiatrischen Klinik als in einer Talk-Sendung befindet.Was für ein Gespräch soll zwischen solchen Leuten entstehen? Was denken sich Redakteure, die mit dem Geld der Gebührenzahler ein solches Format veranstalten? Es gibt so viele interessante Menschen in diesem Land, die etwas zu sagen haben. Wenn Provokation aber als Grundlage eines Sendeformats dient, dann sieht man, wohin das am Ende führt.Diese Sendung war nur für eine Gruppe von Zuschauern von Vorteil: die, die sich einen Magen-Darm-Virus eingefangen haben – denn da geht beim Zusehen das Erbrechen nun wirklich leichter!
Straubinger Tagblatt vom 14. Februar 2026