Heute schon gestaunt? Mein Hund Caruso geht mit offenen Augen durchs Leben und kennt die positiven Effekte der Begeisterungsfähigkeit

Guten Morgen, Herr Caruso!
Was gibt’s, Professor?
Herr Caruso, ich möchte Ihnen heute etwas erzählen, was mich tief bewegt hat!
Um Gottes willen, was ist denn passiert?
Passiert, passiert, passiert ist gar nichts! Aber ich habe etwas Hochinteressantes gelesen! Und zwar wurde in einer wissenschaftlichen Studie nachgewiesen, dass Menschen, die fähig sind zu staunen, liebevoller, empathischer und glücklicher sind als Menschen, die das Staunen verlernt haben.
Das erstaunt mich nun gar nicht!
Tatsächlich? Woher wollen denn Sie das wissen?
Weil ich – im Unterschied zu Ihnen – jeden Tag staune! Jetzt kommt wieder das Frühjahr, meine Lieblingszeit. Die Blumenblüte beginnt, die Wiesen, über die ich so gerne laufe, fangen an grün zu werden, die Sonne gewinnt an Kraft, ich staune einfach jeden Tag wieder neu über das Wunder des Lebens – und bin glücklich dabei!
Und ich?
Sie, Herr Professor, schauen am Abend Markus Lanz – und schreiben am nächsten Tag ihren Ärger in die Zeitung! Da wäre ich auch unglücklich, wenn ich so meine Zeit vergeuden würde.
Aber ich staune auch, wenn ich die Sendungen von Markus Lanz anschaue!
Ja, wie das denn?
Weil mich da jedes Mal wieder erstaunt, was für ein Blödsinn von manchen Menschen gedacht und dann auch noch gesagt – und dann auch noch gesendet wird! Das ist doch auch sehr erstaunlich, oder nicht?
Das ist aber doch nicht das Erstaunen, das der amerikanische Forscher Dacher Keltner meint, wenn er das Glück des Staunens erforscht!
Ach nein, Sie kennen den Forscher Dacher Keltner?
Natürlich, in seiner Glücks- und Staunensforschung sind wir Hunde seine natürlichen Verbündeten! Er spricht uns buchstäblich aus der Seele!
Ahh, und wie?
Er hat zum Beispiel herausgefunden, dass Spaziergänger, die acht Wochen lang jede Woche einen Spaziergang machen und im Experiment dazu aufgefordert sind, darauf zu achten, wann und wo sie staunen, durch das Staunen, auf das sie so immer mehr achten, besser zu sich selbst fanden und glücklicher wurden; und zudem wurde das Staunen auch noch mit jedem Spaziergang mehr und sie begannen die Welt buchstäblich mit neuen Augen zu sehen! Und sie wurden am Ende sogar nettere Menschen! Innerhalb von acht Wochen wurden sie nachgewiesenermaßen sowohl großzügiger als auch hilfsbereiter.
Hmmm….
Schauen Sie, es gibt so viel Wunderbares auf dieser Welt: Freundschaften, die wir teilen können, die wunderbare Natur, die jetzt wieder neu erwacht, Musik, die wir doch beide so lieben – oder ganz einfach tief in der Nacht der Blick in den Sternenhimmel, das Leben ist immer noch ein großes Wunder und ein Geschenk!
Ja, Herr Caruso, da haben Sie sehr, sehr recht! Andere Wissenschaftler von der Universität Berkeley haben sogar herausgefunden, dass das Staunen einen unmittelbaren Effekt auf den Körper und die Gesundheit des Menschen hat. Entzündungswerte im Blut werden weniger, der Blutdruck wird besser, sogar die Schlafqualität in der Nacht erhöht sich!
Eben! So ist das….
Also auf geht’s, gehen wir los, so wie jeden Tag, das macht uns beide glücklicher, gesünder – und hoffentlich ein wenig netter!
Ist gut, Professor, aber darf ich vorher noch eine Runde schlafen? Ist mir noch ein bisschen zu früh heute zum Staunen…
Ist gut, Herr Caruso, aber in einer halben Stunde ziehen wir los! Abgemacht?
Straubinger Tagblatt vom 3. April 2026