Nicht Faulheit, sondern Muße – Mein Hund Caruso hält es in Sachen Work-Life-Balance mit den alten Römern

Herr Caruso, guten Morgen!
Sie schon wieder, Professor, was gibt’s denn jetzt schon wieder!
Herr Caruso, heute möchte ich einmal eine fundamentale Kritik an Ihnen anbringen!
Da bin ich aber neugierig!
Herr Caruso, was mich an Ihnen so nervt: Sie liegen so wahnsinnig viel faul herum. Wann arbeiten Sie? Was arbeiten Sie? Das möchte ich von Ihnen heute gerne einmal wissen!
Also erst einmal: Ich ertrage Sie den ganzen Tag, das ist schon Schwerstarbeit genug! Und ansonsten gilt das Motto der alten Römer: Die Muße ist wichtiger als die Arbeit. Deswegen sprechen die ja von „otium“ (Muße) und Arbeit ist dann, wenn Nicht-Muße ist, also „neg-otium“. Vorrang hat ganz klar die Freizeit, darum geht es im Leben.
Aber Herr Caruso, unser Kanzler hat uns alle gemahnt: Wir müssen endlich mehr arbeiten. Schluss mit der Feierei, keine Teilzeitarbeit mehr, für den sind Faulenzer wie Sie gar nicht mehr tragbar, der würde Sie bestimmt mitsamt den Syrern, Afghanen oder wem auch immer am liebsten aus diesem Arbeitsland Deutschland ausweisen!
Und er selber? Wer ist er? Was hat der schon gearbeitet? Der war „Türöffner“ für eine Vermögensverwaltung der Superreichen. Na toll! Und da war er noch nicht einmal erfolgreich. War ausführlich im Spiegel nachzulesen. Und als es in der Politik bei Angela Merkel für ihn schwierig geworden war und die Arbeit begonnen hätte, da war er gleich fahnenflüchtig. Und das über Jahre! Und jetzt als Kanzler? Er schwadroniert den ganzen Tag, was zu tun wäre! Aber packt er irgendetwas wirklich an? Ein Jahr ist der schon im Amt, aber passiert ist doch viel zu wenig!
Aber er geht doch mit gutem Beispiel voran, Herr Caruso! Als er in Brasilien war, hat er laut ausgesprochen, wie schrecklich es dort war! Und als er aus Angola heimkam, hat er uns allen gesagt, wie sehr er das deutsche Brot vermisst hat! Der Mann wirbt doch für unser Land. Ununterbrochen! Der geht mit Schmiss voran! Gut, dass es den gibt!
Papperlapapp! Ich fand das eher peinlich. Das zeigt doch nur, dass der die Härte des Lebens noch niemals kennengelernt hat. Der braucht’s halt immer warm. Ein Warmduscher, wie wir Hunde zu sagen pflegen.
So zu sprechen, ist eine Frechheit. Das ist immerhin unser Kanzler. Der bestimmt, was in diesem Land geschieht. So wie halt früher in der Monarchie vor gut 100 Jahren unser deutscher Kaiser Wilhelm II!
An den erinnert er mich leider auch!
Warum das denn?
Wilhelm II. wollte unbedingt eine wichtige politische Rolle spielen und war dabei doch politisch unbegabt… eine ganz entscheidende Parallele!
Aber Wilhelm II. hat dieses Deutschland in einen sinnlosen Krieg geführt, den Ersten Weltkrieg, so etwas werden Sie doch unserem Mitbürger aus dem Sauerland nicht unterstellen?
Also, mein lieber Professor: Was der so daherredet von Macht und Gewalt, die es jetzt wieder einzusetzen gelte, das erinnert doch sehr an unseren letzten Kaiser!
Aber Herr Caruso, Wilhelm II. gilt heute als Idiot! Sie wollen doch unseren demokratisch gewählten Bundeskanzler nicht mit einem Idioten vergleichen?
Ach, was weiß ich. In drei Jahren sind Neuwahlen, da gibt’s ‘ne neue Chance. Im Unterschied zur Monarchie kann man’s bei der nächsten Wahl besser lösen. Die drei Jahre müssen wir halt jetzt aushalten. Dann gibt’s ne neue Chance…
Das trauen Sie den Menschen in diesem Land zu?
Auf jeden Fall, mein Lieber, und wer weiß, ob der diese drei Jahre bis dorthin überhaupt durchsteht, so viele Fehler, wie der macht!
Mal schauen, Herr Caruso, mal schauen, vielleicht haben Sie da gar nicht so unrecht!
Straubinger Tagblatt vom 7. Februar 2026