Mein Hund Caruso achtet auf seine Mitmenschen. Sogar bei den Neujahrsvorsätzen unterstützt er, wo er nur kann.

Herr Caruso, ein gutes neues Jahr wünsch ich!

Danke, Herr Professor, gleichfalls…

Aber, was mich interessiert: Haben Sie sich denn etwas vorgenommen für dieses neue Jahr 2026?

Aber selbstverständlich!

Und was wäre das?

Also, ich habe mir vorgenommen, dass Sie in diesem Jahr etwas netter zu mir sind – und auch, dass Sie etwas weniger Rotwein zu sich nehmen!

Aber Herr Caruso, haben Sie noch alle Tassen im Schrank! Man nimmt sich etwas für sich selber vor … nicht für einen anderen, jedenfalls in unserer Menschenwelt. Wenn Ihr Denken und Sprechen, was Vorsätze angeht, sinnvoll wäre, dann würde ich mir vornehmen, dass unser Bundeskanzler Friedrich Merz in diesem Jahr endlich mit notwendigen Reformen beginnt und die deutsche Fußballnationalmannschaft in diesem Jahr Weltmeister wird. Aber das sind keine Vorsätze, sondern das ist ein Wunschdenken! Das hat mit einem Vorsatz aber schon überhaupt nichts zu tun!

Also Herr Professor, das sehe ich nicht so. Ich habe gerade in einem großen Interview in einer überregionalen Zeitung mit einem bekannten Mediziner gelesen, dass jeder Tropfen Alkohol unglaublich schädlich ist. Und da finde ich es einfach sinnvoll, wenn ich mir vornehme, dass Sie weniger Rotwein trinken….

Darum geht es nicht! Es geht nicht um den Inhalt – auch den finde ich übrigens fragwürdig – sondern um den Sprechakt. Sie können sich nicht für mich etwas vornehmen, verstehen Sie doch!

Nochmals: Übermäßiger Genuss von Rotwein schadet, der Professor in der Zeitung hat sogar gesagt, dass kleinste Mengen Rotwein schon schädlich sein können!

Aber ein Glas Rotwein ist doch gut fürs Herz!

Ein Glas!?! Herr Professor, ich bitte Sie! Selbst wenn, auch das kann schon schaden! Sagt jedenfalls der bekannte Professor aus der Medizin.

Was war denn das da für ein Professor in der Zeitung, von dem Sie gelesen haben?

Naja, er wirkte sehr diszipliniert, fast etwas freudlos! Er war glaubwürdig für mich. Der hat seit Jahren nichts mehr getrunken! Jedenfalls keinen Rotwein…

Ja, war er Ihnen denn sympathisch? Würden Sie lieber mit ihm zusammenwohnen?

Guter Versuch, mein Freund!

Also, wenn das Verweigern auch nur einer Flasche Rotwein ein sinnvoller Versuch ist, besser durchs Leben zu kommen, dann würde ich mir – um jetzt für mich zu sprechen – für das neue Jahr nun vornehmen, dass Sie alsbald mit dem Kollegen aus der Ärztezunft, den Sie offenkundig so sehr schätzen, zusammenleben!

Alles klar, Professor. Dann bleibt halt nur mein anderer Vorsatz für das neue Jahr, dass Sie etwas netter zu mir sind…

Ist gut mein Freund, darüber können wir auf jeden Fall verhandeln! Denn den Vorsatz habe ich mir auch schon gemacht für das neue Jahr 2026 – und nicht nur, was Sie angeht!

Straubinger Tagblatt vom 10. Januar 2025